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Hintergrund: Die Reisemetapher


Wenn Menschen und Organisationen von Veränderung sprechen, verwenden sie sehr häufig das Bild einer Reise. Obwohl sie eigentlich eine Unternehmensstrategie entwickeln, Leitsätze definieren oder ein neues Projekt planen, setzen sie Segel, legen sie los, erkunden sie neue Wege, finden Schätze und unternehmen riskante Irrfahrten wie einst Odysseus- um letztendlich hoffentlich sicher den Heimathafen zu erreichen.

Unsere Sprache ist voll von Reisebildern: Wie ist es euch erGANGEN? Was hat euch BEWEGT? Wart ihr genug MOTIVIERT? Was habt ihr ERFAHREN? Wie sehen die NEUEN WEGE nun aus?

Die Reisemetapher kann sehr hilfreich sein, eine notwendige Veränderung zu sehen und den Veränderungsprozess sorgfältig zu planen, (sorgsam den Koffer zu packen), ein gutes Team (Reisegruppe) zusammenzustellen, gemeinsam aufzubrechen, wichtige Etappenziele zu erreichen, Rastplätze aufzusuchen, großen Herausforderungen zu begegnen, ein gutes Ergebnis (Schatz, Schlüssel...) zu erlangen und letztendlich zu wissen, dass der errungene Schatz noch nicht das Ende der Reise darstellt (Haben sie "Herr der Ringe gelesen?). Denn normalerweise steht noch eine riskante Heimfahrt bevor. Es drohen unzählige Gefahren: die alten Schwellenhüter treten wieder auf, alte Muster opponieren gegen die Veränderung. Erst nach achtsamer Implementierung ist es Zeit, richtig zu feiern (mit oder ohne Troubadix, dem Barden).

 

Hintergrund: "Wandelgang"


Mein Lieblingsbild in Bezug auf  Veränderung ist der Wandelgang. Das Bild dazu entstand bei einer Reise 1992. Am Mont St. Michel (Normandie) nahmen wir an einer deutschsprachigen Führung durch die imposante Anlage teil. Dauernd fiel mit französischem Akzent das Wort "Wondelgong". Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, was gemeint war - ein Weg zum Wandeln, Gehen, Nachdenken, oft der Kreuzgang im Kloster.  Der Begriff prägte sich in mir ein. Die Reisemetapher wude mir wichtig: das Wandeln als Gehen - das Wandeln als Verändern. Im Wandelgang entsteht das Neue.

 

Hintergrund: Joseph Campbell


Joseph Campbell vergleicht in seinem Buch "Der Heros in tausend Gestalten" , 1949 (Insel taschenbuch 2556) die großen Mythen verschiedenster Kulturen. Er beschreibt einen immer wiederkehrenden Ablauf:

Aufbruch: Berufung - Weigerung - Übernatürliche Hilfe - Das Überschreiten der ersten Schwelle - der Bauch des Walfischs

Initiation: Der Weg der Prüfungen - Begegnung mit der Göttin - Das Weib als Verführerin - Versöhnung mit dem Vater - Apotheose - die endgültige Segnung

Rückkehr: Verweigerung der Rückkehr - die magische Flucht - Rettung von außen - Rückkehr über die Schwelle - Herr der zwei Welten - Freiheit zum Leben.

"Der Bauch des Walfisches" - Otto Husinsky - Filz, 2005

 

Hintergrund: "Storytelling"


Karolina Frenzel, Michael Müller und Hermann Sottong beschreiben in Ihren Storytelling Büchern (Hanser 2004 und 2006), wie die Kraft des Erzählens wirkt, wie es gelingt, eine gute Geschichte zu erzählen und auch, wie Storytelling erfolgreich in Unternehmen eingesetzt werden kann. Sie nehmen dabei vielfach Bezug auf Campbell und beschreiben die Anwendung der "Heldenreise" auf Prozesse und ihre Gestaltung.

 

Anwendungsgebiete: Organisationsentwicklung, Projektmanagement, Führungskräfteschulungen ...


In partizipativen Change Prozessen in Unternehmen und Organisationen eignet sich der Vergleich hervorragend um den Wandel zu planen und zu gestalten, um die Phasen ausreichend zu beschreiben, passend  zu kommunizieren und Entwicklungen gut einzuschätzen. Ebenso im Projektmanagement. Im Rahmen von Führungskräfteschulungen arbeitete ich in den letzten Jahren vielfach mit der Reisemetapher und ihren Stationen und stieß dabei auf großes Interesse und spannende Erkenntnisse. Mit "Vielhirndenken" sammelten wir etwa geeignete Fragen zu den einzelnen Stationen der Reise und nutzen diese zur Bearbeitung von Fallbeispielen.

 

Clare Graves und das Gravesmodell


Die Reisemetapher ist hilfreich. Sie lässt sich mit anderen Modellen verbinden um weitere Erkenntnisse und Anwendungsmöglichkeiten zu finden. Etwa zur Erkundung der Bedeutung von Werten und Organisationskulturen, die ganz wesentlich den jeweiligen Reisestil beeinflussen und dafür sorgen, dass keine Reise und keine Reisegesellschaft der anderen gleicht.

Ein spannendes Modell dazu geht auf Clare Graves zurück, der Wertefamilien untersuchte und Entwicklungen beschrieb. Graves´ Schüler Don Edward Beck und Christopher C. Cowan entwickelten mit Spiral Dynamics ein umfassendes Modell dazu. Es beschreibt 8 bis 9 Entwicklungsstufen mit ihren jeweiligen Werten und Möglichkeiten. Wenn Sie im Menü zu "Über mich" gehen finden Sie 9 Antworten auf die Frage "Warum ich male" - entsprechend dieser Stufen.

Wer sich mit Spiritualität befasst, findet im Buch "Gott 9.0" von Marion Küstenmacher, Tilmann Haberer und Werner Tiki Küstenmacher" eine faszinierende Reisebeschreibung zum Gravesmodell in Bezug auf Glaube, Religionen, Kirchen.


Literatur


Metaphern:

Gareth Morgan: Bilder der Organisation, Klett-Cotta, ISBN 3-608-91760-8, Dritte Auflage, 2002

"Heldenreise":

Joseph Campbell, Der Heros in tausend Gestalten, 1949, Insel taschenbuch 2556

Storytelling:

Karolina Frenzel, Michael Müller, Hermann Sottong: Storytelling, Das Harun-al-Raschid-Prinzip, Die Kraft des Erzählens fürs Unternehmen nutzen; 2004 Carl Hanser Verlag München Wien- ISBN 3-446-22687-7

Karolina Frenzel, Michael Müller, Hermann Sottong: Storytelling, Das Praxisbuch - 2006 Carl Hanser Verlag München Wien - ISBN-10: 3-446-40698-0 ,ISBN-13: 978-3-446-40698-8

Graves Modell:

Don Edward Beck, Christopher C. Cowan: Spiral Dynamics, 1. Auflage 2007 - J. Kamphausen Verlsg &Distribution GmbH, Bielefeld 2007 - ISBN 978-3-89901-107-4

Marion Küstenmacher, Tilmann Haberer, Werner Tiki Küstenmacher: Gott 9.0, 3. Auflage, 2011, Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06546-5

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